*** english below***

Diskurs Retromania

Liebe:r Leser:in

Als wir uns zum ersten Mal als Organisationsteam für das Diskurs Festival 2025 zusammenfanden... Oder sollte ich lieber mit der Zeit beginnen, in der jede:r von uns vom Diskurs Festival als Tradition des Instituts erfuhren. Wir alle sind diesem jeweils zu verschiedenen Zeitpunkten als Student:innen beigetreten. Und dann aus dem Wunsch heraus, einen Beitrag zu leisten... Ich tue mich wirklich schwer damit, hier einen Startpunkt zu setzen, denn das Diskurs Festival begann schon viel früher, bevor jede:r von uns, aus dem Team dieser Ausgabe, überhaupt geboren wurde. Daher ist die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit des Festivals unausweichlich. Ich beginne mit unserem ersten öffentlichen ‚Auftritt‘ - dem kurzen Beitrag auf der wiederbelebten Festival-Website über das Diskurs Festival in der Midlife-Crisis. Das Festival als Person mit einer eigenen Biografie, einem eigenen Lebens Diskurs zu behandeln - allerdings nicht im Sinne von Foucault - war ein erster Versuch, das Erbe anzuerkennen, das lange vor uns lebendig war.

Keine:r von uns weiß wirklich aus eigener Lebenserfahrung, was eine Midlife-Crisis bedeutet. Keine:r von uns hat die 80er und den größten Teil der 90er Jahre wirklich erlebt, und wir sind nicht die ersten, die versuchen, mit dem Archiv umzugehen, das keine lineare chronologische Erinnerung ist, sondern eine fragmentierte Sammlung von Hinweisen, Dokumenten und Eindrücken. Warum also jetzt archivieren? Warum ein Blick zurück in die Vergangenheit, die uns nicht gehört? Es ist kein nostalgischer Impuls, solange Nostalgie ein zutiefst persönliches Phänomen ist, das die Merkmale und Auslöser, die für verschiedene Generationen, die vor uns waren und nach uns kommen werden, ansprechen, miteinander verschränkt. Und doch wage ich es, mit den Überbleibseln, den blassgelben Pressemappen und verstaubten Tonbändern in den Dialog zu treten, um mich selbst ein wenig zu ‚kneifen‘ und daran zu erinnern, dass Diskurs schon lange vor mir da war. Vielleicht berühre ich die Artefakte in dem Versuch, die Zeitachse eines Festivals zu verstehen, als wäre es eine Person mit einer eigenen Biografie, und um die Definition einer 'Midlife Crisis' zu hinterfragen.

Aber um ehrlich zu sein, schaue ich auch in die alten Fotos und lese die alten Berichte nicht nur aus formalen Gründen: Es ist eine unerklärliche und wirklich überwältigende Neugier, eine Suche nach der Inspiration, um selbst weiter zu leben und Diskurs lebendig zu halten. Ich frage mich, ob das Interesse an Archiven heutzutage von der Erschöpfung durch die unkontrollierbaren Informationsströme herrührt, die wir täglich in unserem Berufs- und Privatleben erhalten, während das Archiv seine Grenzen hat und dennoch unbegrenzte Möglichkeiten bietet, eine Geschichte zu erzählen, an der ich nicht teilgenommen habe. Damit will ich nicht versuchen, eine umfassende Geschichte von Diskurs zu erzählen - denn das ist eine unmögliche Aufgabe. Aber die Geschichte von Diskurs ist es auf jeden Fall wert, erzählt zu werden, und im Moment bin ich froh, ein kleiner Teil davon zu sein.

Es fühlt sich an wie etwas und nichts, ähnlich konkret wie breit, aber umso interessanter, weiter zu erforschen. Wir freuen uns auf die Arbeit mit diesem Archiv und den Versuch, diese Geschichte in die Gegenwart des Festivals zu integrieren.
In diesem Sinne, liebe Leser:in, wenn Du selbst eine Geschichte mit dem Diskurs hast oder die Geschichte von Diskurs auch Deine ist, wenn Du irgendwann seinen Lebensweg geteilt hast, wenden Dich sich doch vielleicht an uns, das Diskurs-Team von 2025, und hilf uns, die fehlenden Teile zu finden.
Hanna fürs Diskursfestival 2025
Diesen Newsletter erhältst Du, weil Du bereits den Newsletter abboniert hast, oder auf einer Liste der ältereren Ausgaben eigetragen bist. Falls Du dich wieder aus dem Newsletter austragen willst kannst Du das über diesen Link machen: Tschüss :'(
Du kannst dich aber jederzeit wieder auf der Website eintragen.

Diskurs Retromania

Dear reader

As we first came together as an organisational team for Diskurs Festival 2025… Or should I rather begin with the time each of us found out about Diskurs Festival as being a tradition of the Institute we all joined at various points of time as students and then as a wish to contribute… I really struggle with tackling a starting point here because Diskurs Festival began way earlier than each of us, from this edition team, was even born. Therefore, having to come to terms with the past of the festival is an inevitable encounter. I will begin with the first public ‘appearance’ we made - the short post on the revived festival website about Diskurs experiencing a midlife crisis. Treating the festival as a person with its own biography, its own life discourse - not in Foucault terms though - as a first attempt in acknowledging the legacy that was alive way before us.

None of us really knows from their life experience what midlife crisis means. None of us has really lived in the 80s, and most of the 90s, and we are not the first ones in trying to deal with the archive, which is not a linear chronological memoir, but a fragmented collection of hints, documents, and impressions. So why archiving now? Why looking back into the past that didn't belong to us? It is not a nostalgic impulse as long as nostalgia is a deeply personal phenomenon, intertwining the features and triggers speaking up to various generations who came before and will come after. And still, I dare to come into the dialogue with the leftovers, with the pale yellow Pressemappen and dusty tapes as a way of ‘pinching’ myself slightly, reminding that Diskurs has been there long before me. Perhaps, I touch the artifacts in an attempt to understand the timeline of a festival as if it is a person with its own biography, and to challenge the definition of a 'midlife crisis’

But to be honest, I also look into the old photographs and read the old reports not for formal reasons only: there is an unexplainable and truly overwhelming curiosity, a search for the inspiration for living further myself and keeping Diskurs alive. I wonder if the interest in archives these days comes from the exhaustion of the uncontrollable streams of information we receive on a daily basis in our professional and private lives, whereas the archive has its limits, and yet it is unlimited in the ways to tell a story I haven't been part of. With this, I am not trying to tell a comprehensive story of Diskurs - for it is the impossible task. But the story of Diskurs is definitely worth being told about, and as for now, I am happy to become a small part of it.

It feels kind of like something and nothing, in a similar way concrete and broad, but even more interesting to explore further. We are looking forward to working with this archive and the attempt of including this history in the present of the festival.
On that note, dear reader, if you have some stories with Diskurs, or the story of Diskrus is yours too, if you shared its lifepath at some point, please reach out to us, the Diskurs Team of 2025, and help us find the missing pieces.
Hanna on behalf of the Diskurs Festival 2025
You are receiving this newsletter because you have already subscribed or are on a list from past editions. If you want to unsubscribe from the newsletter, you can do so via this link: Bye :'(
However, you can subscribe again at any time on the website.
Email Marketing Powered by MailPoet