In unserem prozess-basierten Workshop Felt Like A Filtre (AT) wollen wir uns anlässlich des diesjährigen Festival-Themas porös mit einem Instrument der Durchlässigkeit und damit einhergehenden Absonderung beschäftigen: dem Filter. Filter verändern, wie eine:r die Welt sieht, fühlt, riecht und schmeckt. Filter als harmlose Objekte zu begreifen, greift uns zu kurz. Deswegen basiert unser Workshop auf der Grundannahme, dass Filter nicht reine Objekte sind sondern vielmehr „difference-producing phenomena that need to be addressed as complex active systems within event-based boundaries“ wie im Active Filter Model von Khashayar Razghandi und Emad Yaghmaei (2020) beschrieben wird. In unserer derzeitigen Filter-Sammlung befinden sich: Kaffeefilter, Instagram-Filter, Küchensiebe, Racial Bias, Hypersensibilität, Teefilter, Luftfilter, Kläranlagen, Zigarettenfilter, Kescher, Erinnerungs-Filter, opt-in Filter auf Youtube, Membranen, Filz, Photosynthese.
Etymologisch gesehen stammt der Begriff Filter von Filz ab, da früher dieses Textil als ein solches Werkzeug genutzt wurde. Liest man sich auf Lexico die Bedeutung des englischen Worts filter durch, so beinhalten ein Großteil der vielfältigen Definitionen Begriffe wie reject, remove oder suppress. Alles Begriffe der Zurückweisung, des Ausschlusses und der Unterdrückung. Filter als poröse Strukturen materialisieren somit Macht. Durch-Lassen geht immer auch mit Zurück-Lassen einher. Substanzen durch einen Filter geben, bedeutet Teile aufzufangen oder zurückzuhalten und andere wiederum abzutrennen. Filtern schafft Kategorien von Abfall auf der einen Seite und kostbar gesammelten Gut auf der anderen. In der Arbeit Felt Like A Filtre wollen ausprobieren, was passiert, wenn wir diese zeitlich und räumlich linear gedachten Filter-Prozesse umdrehen. Können sich die durch Filtration getrennten Substanzen erneut verbinden? Bilden sie eine neue Emulsion? Gibt es einen endlosen, zirkulären Filter- Prozess?
In unserem Workshop auf dem DISKURS-Festival wollen wir zur Untersuchung von Filtern unterschiedliche Sinne benutzen und gemeinsam Filter und Filter-Prozesse in einer Art Fühl-Pfad erkunden. Wie sehen die Filter aus? Wie hört sich Filtrierung an, für wen? Welche Geschichten haben die Filter zu erzählen, die mitentscheiden, wer oder was durchgelassen wird und wer oder was nicht? Wie verändern sich diese Wahrnehmungen, wenn ein Filter verstopft oder mit der zurückgebliebenen Masse verschmilzt? Der Workshop wird sich auf bestimmte Filter konzentrieren, die wir beobachten und analysieren, um sie anschließend zu zerlegen und zu dekonstruieren. Hierfür werden wir einen Fragen-Katalog entwickeln, mit dem wir gemeinsam mit den Workshop-Teilnehmer:innen die Filter untersuchen wollen. Möglich wäre hierfür auch ein “Persönlichkeits-Test” oder ein “Love Language-Test” für Filter. In Felt Like A Filtre (AT) wollen wir auch hinterfragen, wo und was wir in unserer eigenen Arbeit filtern und hoffen mit diesem Konzept im Sieb des Diskurs-Festivals hängen zu bleiben.

Felt Like a Filtre (AT)

About the artists

Walpurgis AG

Ronja, Judith und Nele sind aus Versehen ein Kollektiv geworden, auch wenn die eine oder andere schon vorher heimlich davon geträumt hat. Sie kennen sich aus ihrem Studium der Vergleichenden Dramaturgie aus Frankfurt/M. und Brüssel. Ihre Lieblings-Filter sind Bäume, Sonnenfinsternis-Brillen und Kaffeefilter. Zurzeit beschäftigen sie sich mit Algen, Membranen und Sonnenkrem. Der Workshop Felt Like A Filtre ist die erste gemeinsame Arbeit der Walpurgis AG.